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26. Jan. 2014: Onno Viets und der Irre vom Kiez

DIe Ausstrahlung des Hörspiels nach dem gleichnamigen Roman von Frank Schulz auf NDR info mit meiner Hörspielmusik. Am 4. Feb. wird das Hörspiel auch im Hamburger Planetarium zu hören sein.

26. Feb. 2014: Pasted! in MDR Figaro und kulturradio vom rbb

Das Feature Pasted! Wir sind die Zukunft der Musik wird am 26. Februar 2014 um 22 Uhr auf MDR Figaro und um 22:04 Uhr auf kulturradio vom rbb gesendet.

24. März 2014: räuber.schuldengenital

Hörspiel von Ewald Palmetshofer um 23.05 Uhr auf WDR3

30. März 2014: Flughunde

Deutschlandradio Kultur sendet um 18:30 Uhr das Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Marcel Beyer


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Fragmente einer Sprache der Liebe

Hörspiel nach dem gleichnamigen Buch von Roland Barthes, mit Motiven aus Goethes „Die Leiden des jungen Werther“
Autorenproduktion für WDR 3
Ursendung: 19.3.2010 um 23:05 Uhr
Redaktion: Markus Heuger
Darsteller: Sebastian Blomberg (Liebender), Ludwig Trepte (Werther), Hannah Herzsprung (Lotte) u. a.
Hörspielbearbeitung, Regie und Komposition: Andreas Bick


„Fragmente einer Sprache der Liebe“ von Roland Barthes ist einer der anspruchsvollsten und geistreichsten Texte zur Philosophie der leidenschaftlichen Liebe. Barthes teilt verschiedene Gesichtspunkte der Liebe in „Gedankenfiguren“ auf, die er alphabetisch anordnet und damit eine Art Glossar der Liebe schafft. Durch die willkürliche Aufeinanderfolge von Begriffen wie Abwesenheit, Anbetungswürdig, Begegnung, Bejahung, etc. entsteht ein Text, dem keine Erzählung, keine Hierarchie und keine Entwicklung zu Grunde liegt, die Sequenzen stehen durch die alphabetische Ordnung unverbunden und gleichberechtigt nebeneinander. In jeder Szene ist bereits der gesamte Diskurs der Liebe enthalten, der durch den Rezipienten weitergedacht und fortgeschrieben werden kann. Der Liebende in Barthes’ „Fragmenten“ ist zugleich ein Spieler, Erotiker, kühler Analytiker und ein mitfühlender Verliebter. Er spricht nicht über die Liebe, er spricht mit Liebe.

Die "Fragmente" sind zwar in der Ich-Form gehalten, doch um das liebende Wesen des Buches zu konstituieren, griff Barthes auf Textbruchstücke verschiedensten Ursprungs zurück. Seine wichtigste Quelle hierbei war Goethes „Die Leiden des jungen Werther“, der für Barthes zum Kronzeugen und Stichwortgeber für die leidenschaftliche Liebe wird. In dieser Hörspielbearbeitung werden daher beide Werke, Barthes’ „Fragmente“ und Goethes „Werther“, wie Folien übereinandergelegt, um in einen vielfältigen Dialog zu treten. Lotte und Werther sind hier junge Erwachsene der Gegenwart, die sich wie selbstverständlich zwischen Club, Internet und großstädtischem Alltag bewegen. Barthes’ Liebender wiederum kommentiert das Geschehen und reflektiert über die Liebe, aber auch er ist nicht teilnahmslos, sondern findet sich immer wieder als unsichtbarer Begleiter an den Orten wieder, an denen Lotte und Werther sich begegnen und Werthers unerfüllte Liebe schließlich in den Selbstmord führt.

Barthes schreibt in der Einleitung zu den „Fragmenten“: „Dis-cursus – das meint ursprünglich die Bewegung des Hin-und-Her-Laufens, das ist Kommen und Gehen, das sind ‚Schritte’, ‚Verwicklungen’. Der Liebende hört in der Tat nicht auf, in seinem Kopf hin und her zu laufen, neue Schritte zu unternehmen und gegen sich selbst zu intrigieren.“ Die Idee des Diskurses als einer Bewegung zwischen verschiedenen Standpunkten wurde in diesem Hörspiel wörtlich genommen, indem ein Großteil der Szenen in den Alltag der Großstadt verlegt wurde: die Schauspieler agieren im Hauptbahnhof, der U-Bahn, Unterführungen, im Spielsalon, Club, auf einer Schauspielbühne, in Kneipen und durchqueren diese Orte beim Sprechen. Durch die Sprachaufnahmen in Alltagssituationen bekommt Barthes’ Text eine bodenständige Qualität, zufällige Tonübersprechungen und Sprünge in der Hintergrundatmosphäre tragen zu einem Gefühl von Unmittelbarkeit und Dringlichkeit bei.

Der Verliebte ist bei Barthes wie auch bei Goethe jemand, der außerhalb der Gesellschaft steht. Er lebt in einer „unwirklichen“ Welt, in einem Wahn, der für ihn zur Wahrheit wird, während er das, was die Leute „Wirklichkeit“ nennen, als Illusion empfindet. Dieser Liebeswahn steht potentiell im Widerspruch zu den Konventionen der Gesellschaft, er kann sogar solch destruktive Züge annehmen, dass er den unglücklich Liebenden in den Selbstmord treibt. Werther ist das literarische Paradebeispiel für diese selbstzerstörerische Energie: nach der Veröffentlichung des Romans 1774 und zum Schrecken Goethes ließen sich eine Vielzahl von jungen Männern zum Selbstmord verleiten. Sie trugen zum Suizid eine gelbe Weste und eine blaue Jacke - wie ihr Vorbild Werther, der damit ein letztes Mal in die Haut schlüpfte, in der er seine geliebte Lotte das erste Mal traf. Seitdem spricht man in der Wissenschaft vom Werther-Effekt, wenn ein medial ausgebreiteter Selbstmord zu einer Zunahme in der Suizidstatistik führt. Roland Barthes setzt dem die Frage entgegen, ob der Gedanke an Selbstmord nicht auch oft eine bequeme Form der Selbstauflösung sei: „Wenn mich so die Vorstellung überkommt zugrunde zu gehen, so liegt das daran, dass es für mich nirgendwo mehr einen Platz gibt, nicht einmal im Tode.“ In einer langen Parallelmontage endet das Hörspiel mit Werthers Weg in den Tod, während Barthes’ Liebender einen andern Weg vorschlägt: den der Hingabe, des Sich-Anheim-Gebens in das Gefühl der unglücklichen Liebe: im Diskurs dieser Liebe entdeckt der Liebende die Ekstase.




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