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26. Jan. 2014: Onno Viets und der Irre vom Kiez

DIe Ausstrahlung des Hörspiels nach dem gleichnamigen Roman von Frank Schulz auf NDR info mit meiner Hörspielmusik. Am 4. Feb. wird das Hörspiel auch im Hamburger Planetarium zu hören sein.

26. Feb. 2014: Pasted! in MDR Figaro und kulturradio vom rbb

Das Feature Pasted! Wir sind die Zukunft der Musik wird am 26. Februar 2014 um 22 Uhr auf MDR Figaro und um 22:04 Uhr auf kulturradio vom rbb gesendet.

24. März 2014: räuber.schuldengenital

Hörspiel von Ewald Palmetshofer um 23.05 Uhr auf WDR3

30. März 2014: Flughunde

Deutschlandradio Kultur sendet um 18:30 Uhr das Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Marcel Beyer


Klang Lesen

Richard Taruskin – The Danger of Music

Ohne Zweifel ist Richard Taruskin einer der kontroversesten Musikkritiker und Musikologen Amerikas. Einige hitzige Debatten beispielsweise über historische Aufführungspraxis, die politischen Zweideutigkeiten von John Adams Oper „The Death of Klingelhoffer“ oder der Mangel an moralischem Bewusstsein bei den Komponisten der Avantgardemusik des 20. Jahrhunderts wurden von ihm entfacht. Die erste Hälfte von Taruskins Sammlung von Zeitungsartikeln und Essays „The Danger of Music“ beinhaltet Polemiken, die er in den letzten zwei Jahrzehnten für die New York Times schrieb, oft gefolgt von seitenlangen Postskriptums, in denen er Reaktionen und Briefe auf seine Artikel derart denunziert und ins Lächerliche zieht, dass mich das Gefühl nicht verlässt, es mit einem schlimmen Besserwisser zu tun zu haben. Sein kaum zu zügelndes Temperament scheint den Leser kaum für seine Meinungen einzunehmen und man muss schon bis zur zweiten Hälfte des Buches aushalten, um mit seinem profunden und konkurrenzlosen Wissen über alle Aspekte westlicher Musik belohnt zu werden, das in den sprachlich brillanten Essays für den New Republic zur Blüte gelangt (hier ein Beispiel online). Seine stärksten Argumente richtet er gegen die moralische Indifferenz von Vertretern der musikalischen Avantgarde, die sich der Kommunikation mit einem Publikum ausserhalb der Mauern der Musikakademien verwehren. Namentlich die Serialisten stehen hier in seiner Kritik, und um sich nicht angreifbar zu machen, hat sich Taruskin tief in deren Materie der kalten, mathematischen Kompositionstechniken eingearbeitet. Russische Musik ist sein Spezialgebiet und daher verwundert es nicht, dass einige sehr kenntnissreiche Essays über Strawinsky und Schostakowitsch in der Sammlung prominent vertreten sind. Mir persönlich gefiel ein langes Portrait über John Cage am besten, das ein neues Licht auf die Leitfigur der amerikanischen Avantgarde wirft. Taruskin endet mit der Vorhersage, dass Cage’ Stern bald sinken würde (der Artikel wurde 1963 geschrieben), was, wie wir wissen, nicht eintraf. Im Gegenteil, John Cage ist heute so etwas wie der Säulenheilige der musikalischen Moderne und für viele zeitgenössische Klangkünstler eine willkommene Rechtfertigung für belanglose Konzeptkunst und theoretische Gedankenspielereien. Wie John Cage zu diesem Status gelangte, lässt sich anhand Taruskins Essay gut nachvollziehen.

Schließlich ist Taruskin’s Kenntnisreichtum und intellektuelle Brillanz ein zweischneidiges Schwert: nur eine überlegene Kompetenz wie seine mag sich an ein Unterfangen wie der Neuschreibung der Geschichte der westlichen Musik wagen (in seinem Mammut-Projekt „Oxford History of Western Music“, während europäische Musikwissenschaftler sich auf die Analyse kompositorischer Einzelwerke zurückziehen), aber sein Wissen hat ihn auch oft genug zu unzivilisierte und arrogante Kämpfen mit anderen Musikologen und Kritikern verleitet. Auf seltsame Weise wird er durch seine Haltung eben jenen kritisierten Komponisten immer ähnlicher, denen er Abgehobenheit und Nähe zu totalitären Ansichten vorwirft. Vergleicht man sein Schreiben beispielsweise mit dem Buch „The Rest is Noise“ von Alex Ross, dann lässt sich konstatieren, dass letzterer „nicht eine Sekunde damit verschwendet, musikalische Moden und halbgare Kompositionen an den Pranger zu stellen, und wenn er es doch mal tut, wie in dem Fall von Pierre Boulez, wandelt er seine Polemik in eine wohlwollende Bemerkung über das Feld der Musik im Allgemeinen um. Seine Hauptinteresse sieht Ross in der Wahrnehmung und Förderung von Musikern und Komponisten, seien sie klassische oder aus anderen Bereichen, ohne auf ihren Rücken seine Polemiken auszutragen.“ (aus einer kürzlich erschienen Besprechung des Buches von Nikil Saval in dem spannenden Mag N+1). Eine interessante Sicht auf Taruskins Charakter kann ausserdem in diesem Blog-Eintrag von Paul Mitchenson gefunden werden.




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